awork im Test: Lohnt sich das PM-Tool wirklich?
awork sieht gut aus und macht Projektmanagement einfach. Aber Rechnungen, Angebote und Finanzen fehlen komplett. Ich habe das Hamburger Tool getestet und zeige dir, wo es glänzt, wo es hakt und welche Alternativen es gibt.
Kurzes Fazit vorab
awork ist ein solides Projektmanagement-Tool mit einer der schönsten Oberflächen auf dem deutschsprachigen Markt. Die Zeiterfassung funktioniert gut, das Hosting liegt in Deutschland, und für Teams, die Projekte koordinieren müssen, ist es ein brauchbares Werkzeug. Aber: awork kann keine Rechnungen schreiben, keine Angebote erstellen und kein Mahnwesen abbilden. Wer als Freelancer oder kleine Agentur alles in einem Tool haben will, braucht neben awork mindestens ein weiteres Abo. Preis-Leistung: fair für reine Projektkoordination. Weniger fair, wenn man die Kosten für das nötige Zusatztool einrechnet.
Was ist awork eigentlich?
awork ist ein Projektmanagement-Tool aus Hamburg. Gegründet wurde es 2019 von Tobias Hagenau, Lucas Bauche und Nils Czernig. Die drei kennen sich aus dem Studium und haben vorher gemeinsam HQLabs aufgebaut, ein Softwareunternehmen, das seit 2012 existiert. Aus dieser Erfahrung heraus entstand awork als eigenständiges Produkt. Das Team umfasst heute über 50 Personen, verteilt auf Hamburg und internationale Standorte wie London, Wien und Rom.
Die Zielgruppe sind vor allem Agenturen und Teams, die Kundenprojekte planen, koordinieren und zeitlich erfassen müssen. awork positioniert sich als "das Projektmanagement-Tool für Agenturen" und betont die Verbindung von Aufgabenplanung und Zeiterfassung.
Kernfunktionen: Projekte anlegen und in verschiedenen Ansichten darstellen (Kanban-Board, Liste, Timeline, Kalender). Seit 2025 gibt es auch eine Gantt-Ansicht mit Aufgabenbalken und Drag-and-Drop. Dazu kommen integrierte Zeiterfassung, Kapazitätsplanung, Abwesenheitsverwaltung und seit kurzem ein KI-Assistent in der Beta-Phase. Das Hosting läuft auf Microsoft-Servern in Deutschland, ISO 27001-zertifiziert und DSGVO-konform.
Das klingt nach einem Rundum-Paket. Ist es aber nicht ganz. Denn eine ganze Kategorie fehlt: alles, was mit Geld zu tun hat.
Wofür awork wirklich gut ist
Oberfläche und Bedienung
Das ist der Punkt, der in fast jeder Bewertung auftaucht. Auf Capterra schreiben Nutzer, dass awork "extrem intuitiv" sei und "kaum Einarbeitung" brauche. Auf G2 loben Teams die "aufgeräumte Oberfläche" und das "moderne Design". Das deckt sich mit meinem Eindruck: awork fühlt sich nicht an wie typische deutsche B2B-Software. Es fühlt sich an wie ein Tool, das jemand mit Designverständnis gebaut hat. Projekte anlegen, Aufgaben zuweisen, Status ändern: das geht schnell und ohne Umwege. Für Teams, die vorher mit Excel-Listen oder E-Mail-Threads gearbeitet haben, ist der Unterschied sofort spürbar.
Auch die verschiedenen Projektansichten sind ein Pluspunkt. Du kannst zwischen Kanban, Liste, Timeline und Kalender wechseln, ohne die Daten neu eingeben zu müssen. Das hilft, weil Projektleiter oft anders auf Daten schauen als Teammitglieder.
Zeiterfassung direkt im Projekt
Die Zeiterfassung ist bei awork kein nachträgliches Feature, sondern fest integriert. Timer starten, Zeiten auf Aufgaben und Projekte buchen, Berichte pro Person oder Projekt ziehen. Das funktioniert zuverlässig. Nutzer auf OMR Reviews heben hervor, dass die Verbindung von Zeiterfassung und Projektstruktur die "Abrechenbarkeit von Stunden deutlich verbessert" hat.
Besonders für Agenturen, die Stunden auf verschiedene Kundenprojekte verteilen müssen, ist das wertvoll. Du siehst auf einen Blick, wie viele Stunden auf welches Projekt geflossen sind, und kannst diese Daten dann an ein Rechnungstool übergeben. Wobei genau dieses "Übergeben" ein Thema ist, auf das ich noch komme.
Hosting in Deutschland und Datenschutz
Für Teams im DACH-Raum ist das relevant: awork hostet auf Servern in Deutschland, ist ISO 27001-zertifiziert und DSGVO-konform. Wenn Kunden oder Auftraggeber nach dem Standort der Daten fragen, ist die Antwort klar. Das ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal gegenüber US-Tools wie Asana, Monday oder ClickUp, die ihre Daten in der Regel in den USA oder Irland speichern.
Auch für Branchen mit strengen Datenschutzanforderungen, etwa Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor oder Rechtsberatung, kann das ein entscheidendes Kriterium sein.
Wo awork an Grenzen stößt
Keine eigene Rechnungsstellung
Das ist der größte und wichtigste Punkt. awork kann keine Rechnungen erstellen. Keine Angebote schreiben. Keine Mahnungen verschicken. Keine E-Rechnungen erzeugen. Kein GoBD. Kein ZUGFeRD. Kein DATEV-Export. Für alles, was mit Finanzen zu tun hat, brauchst du ein separates Tool.
awork bietet Integrationen zu sevDesk, Lexware Office, MOCO, helloHQ und bexio an. Die Idee: du erfasst Zeiten in awork und überträgst sie per Integration an dein Rechnungstool. Das funktioniert grundsätzlich, hat aber mehrere Haken.
Erstens: die Integrationen sind nicht in jedem Tarif verfügbar. Zweitens: du arbeitest trotzdem in zwei verschiedenen Systemen mit zwei verschiedenen Oberflächen. Drittens: die Daten fließen nur in eine Richtung. Was in sevDesk passiert (Zahlung eingegangen, Mahnung verschickt), siehst du in awork nicht.
Für Freelancer ist das besonders problematisch. Du trackst deine Stunden in awork, wechselst dann zu Lexware, erstellst dort die Rechnung, und musst manuell sicherstellen, dass alles zusammenpasst. Genau diesen Toolwechsel wolltest du eigentlich loswerden.
Fehlende Features für komplexere Projekte
Nutzer auf G2, Capterra und in der awork Community melden regelmäßig dieselben Lücken. Keine Meilensteine. Kein Task-Tagging. Eingeschränkte Aufgabenabhängigkeiten: wenn eine Aufgabe abgeschlossen wird, startet die nächste nicht automatisch mit dem richtigen Datum. Wiederkehrende Aufgaben sind umständlich einzurichten und nachträglich schwer anzupassen.
Ein Nutzer in der awork Community beschreibt, dass bei neuen Projekten die Aufgabenfristen sofort beginnen, auch wenn das Projekt noch gar nicht gestartet ist. Das zwingt zu manuellen Korrekturen, die bei größeren Projekten viel Zeit kosten.
Für einfache Aufgabenlisten reicht awork gut. Für Projekte mit vielen Abhängigkeiten, Phasen und Meilensteinen fehlt es an Tiefe.
Performance und technische Probleme
Mehrere Nutzer auf Capterra und GetApp berichten von gelegentlichen Ladezeiten und Verzögerungen. Die Desktop-App startet manchmal nicht, sodass man auf die Web-Version ausweichen muss. Die Web-Version wiederum verbraucht laut Nutzern auf dem Mac spürbar mehr Akku als eine native App.
Offline-Funktionalität gibt es praktisch nicht. Wer regelmäßig im Zug, auf Baustellen oder an Orten mit schlechter Verbindung arbeitet, kann awork dort nicht nutzen.
Mobile App hinter der Web-Version
Die mobile App wird in Bewertungen regelmäßig als weniger ausgereift beschrieben als die Web-Oberfläche. Die Bewertungen im App Store (durchschnittlich 3 von 5 Sternen bei 120 Bewertungen) und Google Play (ebenfalls 3 von 5 bei 123 Bewertungen) sprechen eine deutliche Sprache. Funktionen fehlen oder sind umständlicher zu erreichen. Für Teams, die viel vom Smartphone aus arbeiten, ist das ein relevanter Nachteil.
Konfiguration und Automationen eingeschränkt
Trotz der guten Grundbedienung gibt es Bereiche, die unnötig aufwändig sind. Mitarbeiter müssen manuell zu jedem Projekt hinzugefügt werden, obwohl es definierte Teams gibt. In der awork Community ist das ein häufig genannter Wunsch: automatische Projektzuordnung basierend auf Teamzugehörigkeit.
Automationen sind im Basic-Tarif gar nicht enthalten. Im Standard-Tarif gibt es genau eine Automation pro Projekt. Erst im Professional-Tarif (22 € pro Nutzer monatlich) sind Automationen unbegrenzt verfügbar. Das ist eine spürbare Einschränkung für Teams, die wiederkehrende Workflows automatisieren wollen, ohne den teuersten Tarif zu buchen.
Preise und was sie wirklich abdecken
awork rechnet pro Nutzer und Monat ab. Es gibt vier Tarife:
| Tarif | Monatlich | Jährlich (pro Monat) |
|---|---|---|
| Basic | 7 € | 5 € |
| Standard | 14 € | 11 € |
| Professional | 22 € | 19 € |
| Enterprise | Auf Anfrage | Auf Anfrage |
Es gibt eine 14-tägige Testphase und eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie.
Was in welchem Tarif steckt
Der Basic-Tarif ist stark reduziert. Du bekommst Projekte, die App, Zeiterfassung und Zeitberichte. Aber: keine Automationen, keine Kapazitätsplanung, keine Docs, keine benutzerdefinierten Felder, keine Vorlagen. Für den Einstieg reicht es, aber sobald du über einfache Aufgabenlisten hinauswillst, wird es eng.
Der Standard-Tarif fügt hinzu: Docs auf Projektebene, Kapazitätsplanung, Teamstruktur, drei benutzerdefinierte Felder, sechs Vorlagen, eine Automation pro Projekt, Abwesenheitsverwaltung, erweiterte Berechtigungen und die awork-KI in der Beta-Phase. Das ist der Tarif, den die meisten kleinen Teams brauchen.
Der Professional-Tarif bringt unbegrenzte Docs, eine eigene Subdomain, erweiterte Zeiterfassungseinstellungen, umfassende Berichte, private Projekte und unbegrenzte Automationen. Für größere Agenturen ab ca. 10 Personen.
Rechenbeispiel: 3er-Team, jährliche Zahlung
Du wählst den Standard-Tarif mit jährlicher Abrechnung. Drei Nutzer zu je 11 € pro Monat ergeben 33 € im Monat, also 396 € im Jahr.
Dazu brauchst du ein Rechnungstool. sevDesk kostet ab ca. 7,90 € pro Monat, Lexware Office ab ca. 7,90 € pro Monat. Rechnen wir mit 8 € im Monat, das sind 96 € im Jahr.
Gesamtkosten: mindestens 492 € im Jahr. Und du arbeitest trotzdem in zwei verschiedenen Systemen, mit zwei Logins und ohne durchgängigen Datenfluss von der Aufgabe bis zur Rechnung.
Zum Vergleich: ein All-in-One-Tool wie dVersum kostet im Professional-Tarif 39 € im Monat, inklusive 3 Nutzer, also 468 € im Jahr. Projekte, Zeiterfassung, Rechnungen, Angebote, DATEV: alles drin, ein Login.
Für wen lohnt sich awork?
awork passt, wenn du...
...eine mittelgroße Agentur (5 bis 20 Personen) führst und bereits ein etabliertes Buchhaltungstool wie sevDesk oder Lexware Office im Einsatz hast. In diesem Fall ergänzt awork die Projektseite gut. Aufgaben verteilen, Zeiten erfassen, Kapazitäten planen, Abwesenheiten verwalten. Die Integration überträgt erfasste Zeiten an dein Rechnungstool, und du hast einen funktionierenden, wenn auch zweigeteilten Workflow.
...ein internes Team koordinierst, das keine eigenen Kundenrechnungen schreibt. Zum Beispiel eine Marketingabteilung, ein internes Entwicklerteam oder eine Projektgruppe in einem größeren Unternehmen. Hier brauchst du Aufgabenmanagement und Zeiterfassung, aber keine Rechnungsstellung. awork deckt das ab.
awork passt weniger, wenn du...
...Freelancer bist und ein einziges Tool für alles suchst. Als Einzelperson zahlst du bei awork mindestens 7 € im Monat für den Basic-Tarif (ohne Automationen, ohne Docs). Dazu ein Rechnungstool für weitere 8 € aufwärts. Du hast dann zwei Abos, zwei Oberflächen, zwei Datenquellen. Für Freelancer, die Projekte, Zeiten und Rechnungen an einem Ort verwalten wollen, gibt es bessere Optionen.
...eine kleine Agentur (2 bis 5 Personen) bist und den gesamten Workflow abdecken willst: vom Angebot über das Projekt bis zur Rechnung. awork deckt immer nur die Mitte ab. Die Ränder, also Angebote, Rechnungen, GoBD-Compliance, ZUGFeRD, DATEV-Export, müssen woanders passieren.
Alternativen in Kürze
dVersum
Wenn du Projekte, Zeiterfassung und Rechnungen in einem einzigen Tool brauchst, ist dVersum einen Blick wert. Kanban-Boards, Gantt-Ansicht, integrierte Zeiterfassung, die direkt in Rechnungen fließt: du erfasst Stunden auf eine Aufgabe und erstellst daraus mit wenigen Klicks eine GoBD-konforme Rechnung mit ZUGFeRD oder XRechnung. Dazu kommen Angebote (per Klick in Rechnungen umwandelbar), Verträge mit digitaler Unterschrift, DATEV-Export, ein Seiten-Editor im Notion-Stil für Dokumentation und der KI-Assistent Vero mit 67 Business-Tools. Hosting in Deutschland (Hetzner, Nürnberg), DSGVO-konform, entwickelt von einem deutschen Team. Preise ab 19 € im Monat, 7 Tage kostenlos testen, keine Kreditkarte nötig.
MOCO
Für etablierte Agenturen ab 10 Personen, die detailliertes Projekt-Controlling und Kapazitätsplanung brauchen. MOCO ist im Bereich Agentursteuerung und Leadmanagement stärker als awork, kostet aber ab ca. 15 € pro Nutzer im Monat und bietet weder KI-Assistent, noch Docs, noch Whiteboards.
Asana
Wenn reines Aufgabenmanagement reicht. Asana hat einen starken kostenlosen Tarif für bis zu 10 Nutzer und ist bei der Aufgabenorganisation schwer zu schlagen. Aber: kein Zeittracking (nur über Integrationen), keine Rechnungen, kein deutscher Datenschutzstandard. Für den DACH-Markt eine Kompromisslösung.
Monday.com
Für größere Teams, die maximale Anpassbarkeit wollen. Viele Projektansichten, starke Automationen, Dashboards. Aber teuer (Minimum 3 Nutzer ab 9 $ pro Person), kein Invoicing und keine deutsche Compliance. Für Freelancer und kleine Agenturen in der Regel überdimensioniert.
Fazit
awork macht in seinem Kernbereich vieles richtig. Die Oberfläche ist angenehm, die Zeiterfassung sitzt, das Hosting in Deutschland gibt Sicherheit. Für die reine Projektkoordination im Team ist es ein gutes Werkzeug.
Was fehlt, ist alles rund ums Geld. Rechnungen, Angebote, Mahnwesen, E-Rechnung, DATEV. Wer das braucht, und als Freelancer oder Agenturinhaber braucht man das, landet unweigerlich bei einem Zweittool. Und damit bei doppelten Kosten, doppelter Einrichtung und dem ständigen Wechsel zwischen Systemen.
Ob sich awork für dich lohnt, hängt davon ab, wo du stehst. Wenn du bereits sevDesk oder Lexware im Einsatz hast und nur die Projektseite abdecken willst, kann awork eine sinnvolle Ergänzung sein. Wenn du aber gerade erst dein Setup aufbaust oder den Toolwechsel zwischen Projekten und Finanzen endlich loswerden willst, lohnt sich ein Blick auf Tools, die beides können.